Mitgefühl kommt von fühlen
Es ist mir sehr schwer gefallen, als eine Yoga Schule nach der anderen ihren Türen vorerst zumachen musste. Es ist das erste Mal in sechs Jahren meines Unterrichtens, dass ich nicht diverse Male die Woche vor einer Gruppe stehe und teile, was ich liebe und wovon ich überzeugt bin. Aber das hier ist gerade weitaus größer als einzelne Egos und Befindlichkeiten. Ich glaube, dass wir die Ausbreitung und sowohl die wirtschaftlichen als auch gesellschaftlichen Folgen von COVID-19 nur durch Solidarität, Fürsorge, Verständnis und ganz viel Mitgefühl füreinander tragen können, um am Ende gestärkt aus diesen Zeiten hervorzugehen.
Aber hey, mit sich alleine zu sein, kann echt anstrengend sein! Gerade, wenn man schon vor Corona emotional aufgewühlt und nicht ganz stabil war. Aber Distanz schafft auch Nähe! Wir schätzen wieder, was wir für selbstverständlich erachtet haben. Skype und Co. sei Dank, dass wir auch in Zeiten von Social Distancing in Kontakt stehen können.
Krisen zeigen auf wer wir sind, nicht wer wir sein wollen
Wenn es einem jedoch schon unter normalen Umständen schwer gefallen ist, gegenwärtig und entspannt zu sein, zum Beispiel wenn man alleine im Raum sitzt, durch den Wald spaziert oder jemandem zuhört, dann ist das bewusst bleiben in Momenten, in denen etwas ‘schief läuft’ oder wir mit schwierigen Situationen konfrontiert werden, die mit drohendem oder aktuellem Verlust einhergehen, umso herausfordernder. Hinzukommt, dass ein Großteil von uns schlichtweg verlernt hat, alleine zu sein. Klar, dass dann die Aussichten einer mehrwöchigen Ausgangssperre bedrohend wirken.
Aber diese Zeit ist ein so kostbares Geschenk, das wir nicht aus den Augen verlieren dürfen und nicht unausgepackt in der der Ecke stehen lassen sollten! Sich intensiv nach innen zu wenden und zu überprüfen, welche positiven Veränderungen aus jedem von uns jetzt heraus entstehen dürfen, hilft das, was ist, anzunehmen und optimistisch in die Zukunft zu blicken.
Akzeptiere die Situation, oder verändere sie
Nach fast einer Woche in meinem Zimmer bin ich an dem Punkt angekommen, wo ich in die Akzeptanz der Situation gegangen bin und ich fühle mich sehr ruhig und friedlich. Natürlich verfolge ich weiterhin die Nachrichten rund um COVID-19, aber nicht mehr 1736 Mal am Tag sondern nur noch drei Mal. Ich bleibe im Vertrauen und versuche durch gezieltes Handeln (#stayathome) die Ausbreitung des Virus zu verlangsamen und durch einen gesunden Lebensstil mein Immunsystem zu stärken, um andere weiterhin auf ihrem Weg zu begleiten zu können. Bei all der Sorge und Angst, die ich in den letzten Tage auch gespürt habe, freue mich sehr darüber, dass Mutter Erde nun endlich aufatmen und sich regenerieren darf.
Keine Frage, es werden schwierige Zeiten auf uns alle zurollen und es kommt nicht mehr darauf an, welche Menschen wir sein wollen, sondern welche Menschen wir sind. In diesem Sinne: Informiere Dich bei verlässlichen Quellen, bewege Dich, ernähre Dich ausgewogen, hilf anderen und vielleicht ist jetzt der perfekte Zeitpunkt, um eine eigene Meditationspraxis aufzubauen? Wenn nicht jetzt, wann? Eben!
Ich hoffe Du weißt, dass Du nicht alleine bist und alles gut wird!